Was das Altersvorsorgedepot kostet
Die Standarddepots der Neobroker kosten laut Ankündigung 0 Euro Depotgebühr plus ETF-Kosten zwischen 0,07 und 0,15 Prozent, beratene Angebote bis zu 1,5 Prozent im Jahr. Hier steht, welche Kostenarten es gibt, wo der gesetzliche Deckel greift und was ein Unterschied von 0,8 Prozentpunkten über 30 Jahre ausmacht.
Die kurze Antwort
Fünf Kostenarten entscheiden: Depotgebühr, ETF-Kosten, Orderkosten, Umschichtung und bei Garantieprodukten der Preis der Garantie. Der gesetzliche Deckel von 1,0 Prozent gilt nur für das Standarddepot. Günstige Standarddepots kommen auf 0 bis 0,15 Prozent im Jahr, beratene Depots auf 0,55 bis 1,5 Prozent. Bei 150 Euro im Monat über 30 Jahre macht der Unterschied zwischen 0,2 und 1,0 Prozent rund 18.700 Euro aus.
Die fünf Kostenarten
Die Depotgebühr ist der sichtbarste Posten. Neobroker verlangen laut Ankündigung 0 Euro, Banken und Fondsgesellschaften rechnen meist in Prozent des Depotwerts. Dazu kommen die laufenden Kosten der ETFs, die sogenannte TER (Gesamtkostenquote), die täglich aus dem Fondsvermögen entnommen wird und nie auf einer Abrechnung erscheint.
Orderkosten fallen an, wenn du im freien Depot einzeln kaufst oder verkaufst. Sparpläne sind bei den angekündigten Angeboten der Neobroker kostenlos. Die Umschichtung vor der Rente übernimmt im Standarddepot der Anbieter, im freien Depot musst du sie selbst auslösen und zahlst dann je nach Anbieter Orderkosten.
Garantieprodukte haben einen fünften Posten: Die Garantie kostet Rendite, weil ein Teil des Geldes sicher angelegt werden muss, und oft zusätzliche Gebühren. Einen gesetzlichen Deckel gibt es für Garantieprodukte nicht.
| Kostenart | Standarddepot | Freies Depot | Garantieprodukt |
|---|---|---|---|
| Depotgebühr | 0 € bis Prozentsatz | 0 € bis Prozentsatz | meist Prozentsatz |
| ETF-Kosten (TER) | 0,07 bis 0,15 %, teils erlassen | je nach ETF | je nach Fonds, oft höher |
| Orderkosten | meist 0 € | 0 € bis rund 1 € je Order | entfällt meist |
| Umschichtung | durch Anbieter, im Deckel enthalten | selbst, Orderkosten | durch Anbieter |
| Garantiekosten | keine | keine | Renditeverzicht plus Gebühren |
| Gesetzlicher Deckel | 1,0 % Effektivkosten | keiner | keiner |
Der Kostendeckel gilt nur für das Standarddepot
Das Gesetz schreibt für das Standarddepot Effektivkosten von höchstens 1,0 Prozent im Jahr vor. Effektivkosten heißt: alle Kosten zusammen, umgerechnet auf den Depotwert, also Depotgebühr, ETF-Kosten und Umschichtung. Jeder Anbieter muss ein solches Standarddepot anbieten.
Für das frei bestückbare Altersvorsorgedepot gibt es keinen Deckel. Dort bestimmen die Preisliste des Anbieters und deine ETF-Auswahl die Kosten. Auch Garantieprodukte mit 80 oder 100 Prozent Beitragsgarantie sind vom Deckel ausgenommen.
Der Deckel ist eine Obergrenze, kein Richtwert. Die bisher angekündigten Standarddepots liegen weit darunter, einige bei null. Ein Angebot, das den vollen Prozentpunkt ausschöpft, ist im Vergleich teuer.
Was die Anbieter nennen
Neobroker setzen den Preisanker: Trade Republic, Scalable Capital, Smartbroker+, flatex und Traders Place nennen 0 Euro Depotgebühr für ihr Standarddepot. Die ETF-Kosten liegen zwischen 0,07 und 0,15 Prozent und werden teils erlassen, bei Scalable bis Ende 2027, bei Smartbroker+ drei Jahre, bei flatex fünf Jahre. Trade Republic verspricht mehrere Dutzend ETFs dauerhaft ohne Produktkosten.
Bei den Filial- und Genossenschaftsbanken ist es teurer. Deka (Sparkassen) nennt laut Presse 0,1 Prozent für das Standarddepot und 1,0 bis 1,5 Prozent für das Individualdepot. Union Investment (Volksbanken) liegt laut Presse bei 0,55 Prozent für die Basisvariante und 1,0 Prozent für Pro. Die Deutsche Bank verlangt für ihr digitales Standarddepot 0,10 Prozent in den ersten zwei Jahren, danach 0,28 Prozent, beraten 0,99 Prozent plus Transaktionskosten.
ING, comdirect, DKB und Consorsbank haben noch keine Kosten veröffentlicht. Zahlen, die dazu auf Vergleichsseiten kursieren, sind Schätzungen Dritter und tauchen hier nicht auf. Alle Angaben mit Stand-Datum stehen im Anbieter-Vergleich.
| Anbieter | Depotgebühr | ETF-Kosten im Standarddepot |
|---|---|---|
| Trade Republic | 0 € | mehrere Dutzend ETFs dauerhaft ohne Produktkosten |
| Scalable Capital | 0 € | bis 31.12.2027 erlassen, danach max. 0,15 % |
| Smartbroker+ | 0 € | 3 Jahre erstattet (bis 25.000 € Volumen) |
| flatex | 0 € | 5 Jahre erstattet, danach max. 0,07 % |
| quirion | keine Kontogebühr zum Start | 0,07 bis 0,08 %, mindestens im 1. Jahr erstattet |
| Deka (Sparkassen) | 0,1 % p. a. gesamt (laut Presse) | |
| Union Investment | 0,55 % p. a. Basis, 1,0 % Pro (laut Presse) | |
| Deutsche Bank / Postbank | 0,10 % p. a. zwei Jahre, danach 0,28 % (digital) | |
| ING, comdirect, DKB, Consorsbank | noch nicht veröffentlicht | |
Was Kosten über die Laufzeit ausmachen
Anbieter A
–
Kosten gesamt: –
Anbieter B
–
Kosten gesamt: –, das sind – des möglichen Endwerts
Unterschied am Ende: –. Kosten werden jedes Jahr vom Depotwert abgezogen und fehlen danach beim Zinseszins, deshalb wirken kleine Prozentsätze über lange Zeit so stark.
Beispiel: 0,2 gegen 1,0 Prozent über 30 Jahre
Angenommen, du zahlst 150 Euro im Monat ein, 30 Jahre lang, und der Markt bringt 6 Prozent im Jahr vor Kosten. Bei 0,2 Prozent Gesamtkosten stehen am Ende rund 141.000 Euro im Depot. Bei 1,0 Prozent sind es rund 122.300 Euro.
Der Unterschied beträgt rund 18.700 Euro, bei gleicher Einzahlung und gleicher Marktrendite. Die Kosten summieren sich im günstigen Fall auf etwa 5.200 Euro, im teuren auf etwa 23.900 Euro. Dass der Abstand größer ist als die reine Kostendifferenz, liegt am Zinseszins: Jeder Euro Gebühr fehlt in allen folgenden Jahren bei der Rendite.
Zulagen und Steuervorteil sind in dieser Rechnung nicht enthalten, sie kommen bei beiden Varianten gleich obendrauf. Wie sich Förderung und Kosten zusammen auswirken, zeigt der Altersvorsorgedepot-Rechner.
| 0,2 % Kosten | 1,0 % Kosten | |
|---|---|---|
| Eingezahlt | 54.000 € | 54.000 € |
| Depotwert nach 30 Jahren | 141.000 € | 122.300 € |
| Kosten über die Laufzeit | 5.200 € | 23.900 € |
| Unterschied am Ende | 18.700 € | |
Was ein Anbieterwechsel kostet
Du bist nicht an deinen ersten Anbieter gebunden. In den ersten fünf Jahren nach Abschluss darf der alte Anbieter für den Wechsel höchstens 150 Euro verlangen, danach ist er kostenfrei. Der neue Anbieter darf eine Pauschale von höchstens 150 Euro nehmen.
Hat der alte Anbieter Abschluss- oder Vertriebskosten berechnet, muss er beim Wechsel die Hälfte davon erstatten. Das Guthaben wandert vollständig mit, die Förderung bleibt erhalten. Wird ein Anbieter später teurer, ist der Wechsel also eine reale Option und kein Papiertiger.
Wie der Übertrag eines bestehenden Riester-Vertrags in ein Altersvorsorgedepot läuft und was er kostet, steht unter Riester ins Altersvorsorgedepot übertragen.
Häufige Fragen
Was kostet ein Altersvorsorgedepot?
Das hängt von der Variante und vom Anbieter ab. Die Standarddepots der Neobroker kosten laut Ankündigung 0 Euro Depotgebühr, dazu kommen ETF-Kosten zwischen 0,07 und 0,15 Prozent im Jahr, die teils für Jahre erlassen werden. Beratene Angebote von Banken und Fondsgesellschaften liegen laut Presse zwischen 0,55 und 1,5 Prozent im Jahr.
Gilt der Kostendeckel von 1 Prozent für jedes Altersvorsorgedepot?
Nein, nur für das Standarddepot. Dort dürfen die Effektivkosten höchstens 1,0 Prozent im Jahr betragen. Für das frei bestückbare Altersvorsorgedepot und für Garantieprodukte gibt es keine gesetzliche Obergrenze.
Was sind Effektivkosten?
Die Summe aller Kosten, umgerechnet auf einen Prozentsatz des Depotwerts pro Jahr: Depotgebühr, Fondskosten, Transaktionskosten und Kosten der Umschichtung. Die Effektivkosten zeigen, um wie viel die Rendite jedes Jahr durch Kosten sinkt.
Fallen im Standarddepot Orderkosten an?
Bei den bisher angekündigten Standarddepots der Neobroker nicht, dort kosten Sparplan und Order 0 Euro. Im frei bestückbaren Depot berechnen Trade Republic 1 Euro und Scalable Capital 0,99 Euro je Einzelorder, Sparpläne bleiben kostenlos.
Was kostet ein Anbieterwechsel?
In den ersten fünf Jahren nach Abschluss darf der alte Anbieter höchstens 150 Euro verlangen, danach ist der Wechsel kostenfrei. Der neue Anbieter darf eine Pauschale von höchstens 150 Euro nehmen. Beim Wechsel wird die Hälfte der Abschluss- und Vertriebskosten erstattet.
Sind 0 Euro Depotgebühr wirklich kostenlos?
Die Depotführung ja, der ETF im Depot nicht unbedingt. Die laufenden Fondskosten werden täglich aus dem Fondsvermögen entnommen und tauchen auf keiner Abrechnung auf. Einige Anbieter erstatten diese Kosten für eine Startphase, danach fallen sie an.
Was ist die TER?
Die Gesamtkostenquote eines Fonds oder ETFs (Total Expense Ratio). Sie gibt an, wie viel Prozent des Fondsvermögens jedes Jahr für Verwaltung, Verwahrung und Vertrieb abgezogen werden. Die ETFs der angekündigten Standarddepots liegen zwischen 0,07 und 0,15 Prozent.