Depotübertrag: So wechselst du den Broker

Ein Depotübertrag ist in Deutschland kostenlos, dauert im Inland ein bis drei Wochen und wird beim neuen Broker beauftragt. Hier stehen die acht Schritte, die Besonderheiten bei Trade Republic und Scalable Capital und die Fehler, die Geld kosten.

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Die kurze Antwort

Du eröffnest das neue Depot, füllst dort das Übertragsformular aus und wartest ein bis drei Wochen. Gebühren darf die alte Bank nicht verlangen, das hat der Bundesgerichtshof 2004 entschieden. Vorher verkaufst du Bruchstücke, pausierst Sparpläne und erteilst beim neuen Broker einen Freistellungsauftrag. Das alte Depot kündigst du erst, wenn alle Positionen angekommen sind.

Depotübertrag in acht Schritten

Die Reihenfolge ist wichtig. Wer das alte Depot zu früh kündigt oder Sparpläne weiterlaufen lässt, verzögert den Übertrag um Wochen.

  1. Neues Depot eröffnen

    Eröffne das Depot beim neuen Broker auf exakt denselben Namen und dieselbe Adresse wie das alte. Abweichungen, etwa ein Zweitname oder eine alte Anschrift, sind der häufigste Grund für Rückfragen und Verzögerungen.

  2. Übertragsformular beim neuen Broker ausfüllen

    Der aufnehmende Broker stellt das Formular bereit, online oder als PDF. Du trägst die alte Depotnummer, die Depotbank und die Positionen ein. Der neue Broker fordert die Papiere dann bei der alten Bank an.

  3. Positionen auswählen: Voll- oder Teilübertrag

    Beim Vollübertrag wandern alle Positionen und der Verlustverrechnungstopf. Beim Teilübertrag wählst du einzelne Werte aus, der Verlusttopf bleibt zurück. Gib bei jeder Position Wertpapierkennnummer oder ISIN und Stückzahl an.

  4. Bruchstücke vorher verkaufen

    Anteile mit Nachkommastellen, wie sie Sparpläne erzeugen, lassen sich nicht übertragen. Verkaufe sie selbst, bevor du den Auftrag erteilst. Sonst verkauft die Bank sie zu einem Zeitpunkt, den du nicht bestimmst, oder lässt sie im alten Depot liegen.

  5. Sparpläne pausieren

    Eine Sparplanausführung während des Übertrags erzeugt neue Bruchstücke und eine neue Position, die nicht im Auftrag steht. Pausiere alle Sparpläne beim alten Broker und lege sie beim neuen erst an, wenn der Übertrag abgeschlossen ist.

  6. Freistellungsauftrag neu erteilen

    Der Freistellungsauftrag ist an die Bank gebunden und wandert nicht mit. Erteile beim neuen Broker einen neuen und kürze den alten, damit die Summe 1.000 Euro (2.000 Euro bei Zusammenveranlagung) nicht überschreitet.

  7. Anschaffungsdaten prüfen

    Nach dem Übertrag sollten Kaufdatum und Einstandskurs beim neuen Broker stimmen. Fehlen sie, besteuert die Bank beim Verkauf pauschal 30 Prozent des Erlöses als Ersatzbemessungsgrundlage. Hebe die Abrechnungen der alten Bank auf, bis alles passt.

  8. Altes Depot kündigen

    Erst wenn alle Positionen angekommen sind und das Verrechnungskonto leer ist, kündigst du das alte Depot. Lass es bei Zweifeln noch ein, zwei Monate offen, weil Dividenden und Steuerkorrekturen nachlaufen können.

Dauer und Kosten

Für inländische Wertpapiere, die bei Clearstream in Frankfurt verwahrt werden, dauert der Übertrag ein bis drei Wochen. Die BaFin nennt drei Wochen als Richtwert, bei dem eine Beschwerde sinnvoll wird. Papiere mit ausländischer Lagerstelle, typischerweise US-Aktien oder in Irland aufgelegte ETFs, brauchen zwei bis acht Wochen, weil mehrere Verwahrstellen beteiligt sind. Während dieser Zeit sind die Positionen gesperrt, du kannst sie weder verkaufen noch nachkaufen.

Kosten darf die abgebende Bank nicht berechnen. Der Bundesgerichtshof hat 2004 entschieden (Az. XI ZR 200/03), dass die Herausgabe der Wertpapiere eine gesetzliche Pflicht ist und nicht gesondert bezahlt werden muss. Das gilt für alle deutschen Banken und Broker.

Fremdspesen ausländischer Lagerstellen dürfen weitergereicht werden, in der Praxis verzichten die meisten Anbieter darauf.

Steuerlich ist der Übertrag auf ein eigenes Depot kein Verkauf. Anschaffungsdaten werden im Inland automatisch mitgeliefert, die neue Bank übernimmt sie. Wer über Jahre bei verschiedenen Brokern gekauft hat, sollte nach dem Übertrag die Einstandskurse kontrollieren, weil Fehler erst beim Verkauf auffallen.

Besonderheiten bei Trade Republic und Scalable Capital

Weg von Trade Republic

Der Übertrag ist kostenlos. In der App findest du unter Einstellungen, dann Weitere Services, den Punkt Depot transferieren. Dort erzeugst du ein vorausgefülltes PDF, das du bei der neuen Bank einreichst, oder du nutzt direkt das Formular des neuen Brokers.

Rechne mit zwei bis drei Wochen. Bruchstücke überträgt Trade Republic nicht, sie werden verkauft. Ein Übertrag auf einen anderen Namen ist nicht möglich, das Zieldepot muss auf dich laufen.

Weg von Scalable Capital

Auch hier kostenlos, beauftragt über Web oder App unter Depotübertrag, wahlweise als Voll- oder Teilübertrag mit digitaler Unterschrift. Scalable gibt vier bis acht Wochen an, in der Praxis liegt der Übertrag oft am oberen Ende. Nur ganze Stücke wandern, der Verlusttopf geht nur beim Vollübertrag mit. Wer PRIME+ nutzt, kündigt die Flatrate separat, sonst läuft die Monatsgebühr weiter.

Beim Wechsel zwischen den beiden Neobrokern gelten die Regeln beider Seiten: Bruchstücke vorher verkaufen und Sparpläne pausieren. Was für und gegen den Wechsel spricht, steht unter Scalable Capital vs. Trade Republic.

Häufige Fehler, die Geld oder Wochen kosten

Sparpläne laufen weiter. Die nächste Ausführung erzeugt eine Position, die nicht im Auftrag steht, dazu neue Bruchstücke. Der Übertrag bleibt unvollständig und du musst nachbeauftragen.

Freistellungsauftrag vergessen. Die erste Dividende beim neuen Broker wird dann voll versteuert. Das Geld bekommst du über die Steuererklärung zurück, aber erst im Folgejahr.

Teilübertrag mit Verlusttopf. Wer alte Verluste hat und nur einen Teil überträgt, lässt die Verluste zurück. Dann hilft nur die Verlustbescheinigung, die bis 15. Dezember beantragt werden muss.

Altes Depot zu früh gekündigt. Positionen, die wegen fehlender Daten zurückgewiesen werden, brauchen ein Zieldepot. Ohne das alte Depot hängen sie fest.

Gemeinschaftsdepot auf Einzeldepot. Überträgst du ein gemeinsames Depot auf ein Einzeldepot, gilt die Hälfte als Übertrag auf eine andere Person, mit Schenkungsmeldung an das Finanzamt. Lege beim neuen Broker lieber wieder ein Gemeinschaftsdepot an.

Prämie über den Übertrag entscheiden lassen. Einige Anbieter zahlen für übertragene Bestände, andere nur für Neukunden mit Trades. Welche Aktionen laufen und wann sie sich rechnen, steht unter Depotwechsel-Prämien.

Häufige Fragen

Was kostet ein Depotübertrag?

Innerhalb Deutschlands nichts. Der Bundesgerichtshof hat 2004 entschieden (Az. XI ZR 200/03), dass Banken für den Übertrag von Wertpapieren keine Gebühr verlangen dürfen, weil sie damit nur ihre Herausgabepflicht erfüllen. Weiterreichen dürfen sie allenfalls Fremdspesen ausländischer Lagerstellen. Kosten entstehen indirekt, wenn Bruchstücke vor dem Übertrag verkauft werden müssen.

Wie lange dauert ein Depotübertrag?

Im Inland ein bis drei Wochen, die BaFin nennt drei Wochen als Richtwert. Bei ausländischen Lagerstellen zwei bis acht Wochen. Trade Republic braucht als abgebender Broker meist zwei bis drei Wochen, Scalable Capital vier bis acht Wochen. Während der Übertragung kannst du die betroffenen Positionen nicht handeln.

Bei wem beauftrage ich den Übertrag, beim alten oder beim neuen Broker?

Beim neuen. Der aufnehmende Broker stellt das Formular bereit, fordert die Papiere bei der alten Bank an und kümmert sich um die Abwicklung. Trade Republic bietet zusätzlich in der App ein vorausgefülltes Formular an, das du bei der neuen Bank einreichen kannst.

Gehen beim Übertrag die Anschaffungsdaten verloren?

Innerhalb Deutschlands nicht, die abgebende Bank muss Kaufdatum und Kaufkurs mitliefern. Bei Überträgen aus dem Ausland fehlen die Daten oft. Dann setzt die neue Bank beim Verkauf eine Ersatzbemessungsgrundlage von 30 Prozent des Verkaufserlöses an, und du musst den tatsächlichen Gewinn in der Steuererklärung nachweisen.

Was passiert mit Bruchstücken?

Sie werden nicht übertragen. Trade Republic verkauft Bruchstücke beim Übertrag automatisch, Scalable Capital überträgt nur ganze Stücke und behält den Rest im alten Depot. Verkaufe Bruchstücke besser selbst vor dem Auftrag, dann bestimmst du den Zeitpunkt. Der Verkauf ist steuerlich ein normaler Verkauf.

Wandert der Verlustverrechnungstopf mit?

Nur beim Vollübertrag auf ein Depot derselben Person. Bei einem Teilübertrag bleibt der Verlusttopf bei der alten Bank. Willst du Verluste trotzdem nutzen, beantragst du bis zum 15. Dezember eine Verlustbescheinigung und verrechnest sie in der Steuererklärung.

Kann ich das Depot meines Partners oder meiner Eltern auf mich übertragen?

Ja, aber der Übertrag auf einen anderen Namen gilt steuerlich als Schenkung oder, wenn du nicht ausdrücklich Unentgeltlichkeit angibst, als Verkauf mit Abgeltungsteuer. Die Bank meldet Schenkungen dem Finanzamt. Für den normalen Brokerwechsel überträgst du deshalb nur auf ein Depot, das auf denselben Namen läuft.